«Die Details machen diese Kollektion aus»

27.05.2020Sehlösungen

Weshalb wird man Brillendesigner?

Nirvan Javan: Schon als Kind träumte ich davon, einmal Designer zu werden. Meine Eltern bestanden aber darauf, dass ich zuerst einen «vernünftigen» Beruf erlerne. So absolvierte ich eine Ausbildung zum Augenoptiker. Nach der Lehre bewarb ich mich an einer Designschule, wurde aber zweimal abgelehnt. Doch ich wollte mich davon nicht von meinem Traumberuf abbringen lassen, investierte all meine Ersparnisse und gründete 2015 das Designerlabel NIRVAN JAVAN.


Gibt es denn an einer Brille viel zu designen?

NJ: Natürlich! Es gibt so viele verschiedene Gesichter, Kopfformen, Augenabstände – und ich als Designer versuche, für alle ein perfektes Modell zu entwickeln, das passt, bequem ist, gut aussieht und den Charakter der Person unterstreicht. Da spielen Millimeter oft die entscheidende Rolle.


Sie haben jetzt zehn Kollektionen auf den Markt gebracht. Was zeichnet eine typische Brille von Nirvan Javan aus?

NJ: Das ist einerseits sicherlich der puristische Stil. Die Farbauswahl ist harmonisch und Ton in Ton gehalten. Am Anfang waren die Fassungen allesamt matt, heute darf es auch glänzend sein. Ich orientiere mich da an meinen Erfahrungen als Augenoptiker und weiss, welche Art Brillen bei Kunden und Augenoptikern gut ankommen. Der Träger, die Trägerin steht immer an erster Stelle.


Wie gehen Sie beim Designen vor?

NJ: Ich stelle mir oft folgende Situation vor: Ich stehe in einem Brillengeschäft und muss die perfekte Fassung zeigen. Was ist dem Kunden oder der Kundin wichtig? Was trägt er oder sie? Wie wirkt er oder sie? So entwickelt sich nach und nach das Design. Unsere Modelle sind dank ihrer puristischen Designsprache und der Farbgebung meist von Damen und Herren tragbar.


Würden Sie gern einmal ein völlig verrücktes Modell entwickeln?

NJ: Wir sind tatsächlich gerade dabei, unser Spektrum zu erweitern, wir lassen mehr Kreativität zu, und so ergeben sich neue Möglichkeiten. Das Puristische wird natürlich immer Teil meiner Handschrift bleiben. Aber ich möchte mir in Zukunft auch die Freiheit nehmen, mich bei meiner Arbeit von anderen Kulturen inspirieren zu lassen.


Sie haben eine Kollektion zum 111-Jahr-Jubiläum von Kochoptik entworfen. Wie kam es dazu?

NJ: Ich durfte nach der Firmengründung gleich meine allererste Kollektion bei Kochoptik präsentieren. Diese kam so gut an, dass man beschloss, die Brillen in allen Filialen anzubieten. Über die Jahre entwickelte sich eine erfolgreiche Partnerschaft. Im letzten Herbst kam Kochoptik auf mich zu mit dem Projekt der Geburtstagskollektion – eine Ehre und ein Auftrag, den ich natürlich unmöglich ablehnen konnte.


Wie sind Sie diese Kollektion angegangen?

NJ: Natürlich habe ich mich mit der Geschichte und der Philosophie von Kochoptik beschäftigt. Es war auch klar, dass das unternehmenstypische Rot eine der Farben werden würde. Gleichzeitig sollten die Brillen aber auch klar als Modelle von mir erkennbar sein. Zum Glück liess uns Kochoptik fast völlig freie Hand, all diese Ansprüche bestmöglich zu vereinen.


Ein Beispiel, bitte!

NJ: Nehmen wir das Rot. Diese Farbe findet sich in unseren anderen Kollektionen kaum, weil sie sich nicht für unseren harmonisch-puristischen Ansatz eignet. Also liessen wir Fassungen in 20 verschiedenen Rottönen produzieren, die wir auf ihre Wirkung testeten: Glanz oder Matt, bei Tageslicht, im Kunstlicht, auf der Haut. So fanden wir schliesslich das perfekte Rot, das sowohl für Kochoptik als auch für NIRVAN JAVAN steht. Ebenfalls eine Herausforderung war es, das Festliche des Jubiläums mit unserem Purismus zu verbinden. So kamen wir darauf, alle Scharniere der Kollektion in Gold – und nicht wie bei uns sonst üblich in Silber – zu arbeiten. Die Details machen diese Kollektion aus!


Können Sie weitere Details zur Jubiläumskollektion preisgeben?

NJ: Die Kollektion «NIRVAN JAVAN X KOCH: 111 Year Anniversary Edition» umfasst vier optische Modelle in je drei Farben sowie eine Sonnenbrille in zwei Farben. Jede Brille besteht aus Acetat, einem hautverträglichen und gut an das Gesicht der Kunden anpassbaren Kunststoff. Jedes Exemplar ist nummeriert und auf 50 Stück limitiert. Dazu kommen ein spezielles Brillentuch, ein besonderes, zur Kollektion passendes Etui und ein Echtheitszertifikat.




Text: Kooperation mit Marius Leutenegger.